Eine kleine Kirtagsgeschichte

Am letzten Wochenende der Schulferien findet in Schöngrabern der traditionelle Brauchtumskirtag statt. Aber was ist eigentlich ein Kirtag?

Kirtag 2009
Umzug beim Kirtag 2009 in Schöngrabern – im Retro-Look. Quelle: Robert Köllner

Der Kirchtag, im Weinviertel Kirtag genannt, ist eine bereits Jahrhunderte alte Tradition im ländlichen Raum Österreichs. Während der vergangenen Jahrhunderte gab es für die Bevölkerung im landwirtschaftlich geprägten Niederösterreich nur wenig Abwechslung. Der Alltag war von harter Arbeit geprägt, um über die Runden zu kommen. Neben Familienfesten wie Taufen, Hochzeiten oder Begräbnissen wurden noch der Fasching und kirchliche Feste gefeiert. Ausgelassene Feste wie ein Kirtag, der tradtionell am Festtag des Kirchenpatorns stattfindet, waren und sind für die gesamte Ortsbevölkerung eine willkommene Gelegenheit für ausgiebiges Feiern. Bereits der oberösterreichische Komponist und Schriftsteller Johann Beer, der im 17. Jahrhundert lebte, beschreibt den Kirtag als ein Fest von Rausch, Tanz und Raufereien. Häufig war der Kirtag auch mit einem Jahrmarkt verbunden.

Auch Bundespräsident Rudolf Kirchschläger (r.) folgte 1980 der Einladung zur 750 Jahrfeier nach Schöngrabern. Quelle: Robert Köllner

Der Kirtag, so wie er heute in der Gemeinde Grabern stattfindet, geht auf die Initative des Schöngraberner Jugendvereins zurück. Zum Kirtagsjubiläum im Jahr 2009 erinnerte sich Mag. Helmut Wunderl, einer der Gründerväter der Jugend Schöngrabern, an den Beginn des Brauchtumskirtag:

Die Jugend Schöngrabern war immer schon “organisiert”. Meine ersten Aktivitäten erlebte ich im Rahmen der Katholischen Jugend mit Georg Leeb an der Spitze. Nach meinem Studium engagierte ich mich in der Jungen ÖVP auf Be­zirksebene. Bald ist es auch gelun­gen auf Orts- und Gemeindeebene die Junge ÖVP zu aktivieren. Ent­gegen kam, dass das Gemeinde­haus 1976 neu errichtet wurde und die alten Räume des „Gemein­deamtes“ als Jugendheim genützt werden konnten. Ich erinnere mich gerne an viele Veranstaltungen: Ausflüge, Kegel­meisterschaften, Wandertage, Tanzveranstaltungen im ehemali­gen Gasthaus Halmschlag – später Nigischer, später Hoffmann. Die 750 Jahresfeier [der romanischen Kirche, Anm.] 1980 konnte ich kräftig mitgestalten. Es gab den ersten Bauernmarkt in Schöngra­bern und den ersten Brauchtums­kirtag der Nachkriegszeit, der von der JVP getragen wurde. Beim Gasthaus Krammer wurde ein ge­schmücktes „Herzlich Willkom­men“-Portal errichtet, ganz Schön­grabern war beflaggt. Am Sams­tag zogen die Kirtagsburschen – die Burschen des Vorstandes der JVP angeführt von der Blasmusik­kapelle, Stabführer war Georg Wolf – der heutige Weinwolf – ­durch die Straßen Schöngraberns zum Abholen der „Dirndln“. Rein­hard Wolf als JVP-Obmann hat den „Kirtagshansl“ – die Strohpup­pe getragen. Die Abholung der Mädchen endete beim Gemeinde­amt, wo die Mitglieder des Ge­meinderates offiziell zum Kirtags­fest abgeholt wurden. Beim „Blo­atn“ war bei jeder Station Wein und Gebäck vorbereitet – die Mu­siker spielten bereits „sehr flüs­sig“. Das „Kirtagseingraben“ am Sonntag, 24 Uhr war mit dem Ver­brennen des „Hansls“ der offizielle Abschluss. […] – Helmut Wunderl

Wir haben auch unsere Interviewpartner gefragt, wie sie den Kirtag in Erinnungen haben. Karl Rohringer erzählt von traditionellen Kirtagsraufereien.

Die Jugend Schöngrabern veröffentlichte in der Vergangenheit drei Kirtagszeitungen, die wir hier zum Download zur Verfügung stellen.

Quellen

  • Petermayr, Klaus (2010): Reiseberichte und Landesbeschreibungen als Quelle für musikalisch umrahmte Festveranstaltungen: Beispiele aus Oberösterreich. Studien zur Musikwissenschaft.
    56. Bd., Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich. S. 207-221.