Eine kleine Kirtagsgeschichte
Am letzten Wochenende der Schulferien findet in Schöngrabern der traditionelle Brauchtumskirtag statt. Aber was ist eigentlich ein Kirtag?

Der Kirchtag, im Weinviertel Kirtag genannt, ist eine bereits Jahrhunderte alte Tradition im ländlichen Raum Österreichs. Während der vergangenen Jahrhunderte gab es für die Bevölkerung im landwirtschaftlich geprägten Niederösterreich nur wenig Abwechslung. Der Alltag war von harter Arbeit geprägt, um über die Runden zu kommen. Neben Familienfesten wie Taufen, Hochzeiten oder Begräbnissen wurden noch der Fasching und kirchliche Feste gefeiert. Ausgelassene Feste wie ein Kirtag, der tradtionell am Festtag des Kirchenpatorns stattfindet, waren und sind für die gesamte Ortsbevölkerung eine willkommene Gelegenheit für ausgiebiges Feiern. Bereits der oberösterreichische Komponist und Schriftsteller Johann Beer, der im 17. Jahrhundert lebte, beschreibt den Kirtag als ein Fest von Rausch, Tanz und Raufereien. Häufig war der Kirtag auch mit einem Jahrmarkt verbunden.

Der Kirtag, so wie er heute in der Gemeinde Grabern stattfindet, geht auf die Initative des Schöngraberner Jugendvereins zurück. Zum Kirtagsjubiläum im Jahr 2009 erinnerte sich Mag. Helmut Wunderl, einer der Gründerväter der Jugend Schöngrabern, an den Beginn des Brauchtumskirtag:
Die Jugend Schöngrabern war immer schon “organisiert”. Meine ersten Aktivitäten erlebte ich im Rahmen der Katholischen Jugend mit Georg Leeb an der Spitze. Nach meinem Studium engagierte ich mich in der Jungen ÖVP auf Bezirksebene. Bald ist es auch gelungen auf Orts- und Gemeindeebene die Junge ÖVP zu aktivieren. Entgegen kam, dass das Gemeindehaus 1976 neu errichtet wurde und die alten Räume des „Gemeindeamtes“ als Jugendheim genützt werden konnten. Ich erinnere mich gerne an viele Veranstaltungen: Ausflüge, Kegelmeisterschaften, Wandertage, Tanzveranstaltungen im ehemaligen Gasthaus Halmschlag – später Nigischer, später Hoffmann. Die 750 Jahresfeier [der romanischen Kirche, Anm.] 1980 konnte ich kräftig mitgestalten. Es gab den ersten Bauernmarkt in Schöngrabern und den ersten Brauchtumskirtag der Nachkriegszeit, der von der JVP getragen wurde. Beim Gasthaus Krammer wurde ein geschmücktes „Herzlich Willkommen“-Portal errichtet, ganz Schöngrabern war beflaggt. Am Samstag zogen die Kirtagsburschen – die Burschen des Vorstandes der JVP angeführt von der Blasmusikkapelle, Stabführer war Georg Wolf – der heutige Weinwolf – durch die Straßen Schöngraberns zum Abholen der „Dirndln“. Reinhard Wolf als JVP-Obmann hat den „Kirtagshansl“ – die Strohpuppe getragen. Die Abholung der Mädchen endete beim Gemeindeamt, wo die Mitglieder des Gemeinderates offiziell zum Kirtagsfest abgeholt wurden. Beim „Bloatn“ war bei jeder Station Wein und Gebäck vorbereitet – die Musiker spielten bereits „sehr flüssig“. Das „Kirtagseingraben“ am Sonntag, 24 Uhr war mit dem Verbrennen des „Hansls“ der offizielle Abschluss. […] – Helmut Wunderl
Wir haben auch unsere Interviewpartner gefragt, wie sie den Kirtag in Erinnungen haben. Karl Rohringer erzählt von traditionellen Kirtagsraufereien.
Die Jugend Schöngrabern veröffentlichte in der Vergangenheit drei Kirtagszeitungen, die wir hier zum Download zur Verfügung stellen.
- Kirtagszeitung 2009 (25 MB)
- Kirtagszeitung 2003 (5,4 MB)
- Kirtagszeitung 1998 (600 kB)
Quellen
- Petermayr, Klaus (2010): Reiseberichte und Landesbeschreibungen als Quelle für musikalisch umrahmte Festveranstaltungen: Beispiele aus Oberösterreich. Studien zur Musikwissenschaft.
56. Bd., Gesellschaft zur Herausgabe von Denkmälern der Tonkunst in Österreich. S. 207-221.