Hallo Grabern!

Es ist so weit! Die Marktgemeinde Grabern hat ein digitales Gedächtnis. Und das ging so:

New York, Frühjahr 2014 – Ich arbeite seit mehr als einem Jahr beim Fernsehen in den USA und denke an zuhause. Genauer gesagt, an die Geschichten, die mir meine Oma aus ihrer Kindheit erzählt hat. Vom einfachen Leben, vom Krieg, von verlorener Jugend. Sie ist zu dieser Zeit 87 Jahre alt.

Ich erinnere mich an ihre Stimme, an ihre Art zu formulieren und an ihren Dialekt. Merken werde ich mir vermutlich nur den Inhalt ihrer Geschichten, keine Stimme, kein Lächeln, kein Augenzwinkern. Das kann nur die Kamera. Mein Entschluss ist gefallen: Sobald ich im Sommer wieder nach Österreich gezogen bin, muss ich sie vor die Kamera setzen. Und was, wenn ich nicht nur sie vor die Kamera setze…

Die Idee für das Projekt Graberner GeschichteN entstand aus meinem Wunsch nach lebhafter Erinnerung.

Schöngrabern, Sommer 2014 – Kaum zurück in Österreich sitze ich im Büro von Bürgermeister Herbert Leeb.  Idee und Budgetvorschlag auf Papier, Bernhard Zeller als technischer Partner bereits an Bord. Der Bürgermeister ist nicht schwer zu überzeugen. Der Plan ist eine Internet-Plattform, die den Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürgern erlaubt, sich durch die Geschichte ihrer Gemeinde zu graben. In kurzen Videos werden Geschichte und G’schichtln erzählt. Sie sollen das Herzstück der Internetseite werden.

Nun geht es an die Recherche. Menschen auf gut Glück vor die Kamera zu setzen, ist in der Regel keine gute Idee. Ich stecke Themen ab und frage Bekannte, was sie denn interessiert, wenn es um ihre eigene Geschichte geht. Was ist wichtig? Was ist interessant? Was lässt sich spannend erzählen? Ich führe Gespräche mit meiner Oma Anna Köllner und einigen anderen älteren Dorfbewohnern. Leider eignen sich nicht alle, um vor der Kamera zu erzählen, weil die Erinnerung manchmal schon etwas nachgelassen hatte.

Dreh bei Rohringer Dreharbeiten bei Karl Rohringer.

Die Dreharbeiten verlaufen überraschend einfach. Unsere Gesprächspartner kennen keine Kamerascheu und erzählen uns ausführlich, was sie in den vergangenen Jahrzehnten erlebt haben. Die Interviews dauern meist um die zwei Stunden. Karl Rohringer lässt es sich natürlich nicht nehmen, uns vor dem Gespräch durch seinen Garten zu führen und uns zum Abschluss auf ein Glas Wein einzuladen.

Nun sind beinahe zwei Jahre seit der ersten Idee vergangen. Die ersten 34 Videos sind online. Der Start ist geglückt. Wir stehen aber erst am Anfang dieses Langzeitprojektes, zu dem auch die Gemeindebevölkerung Entscheidendes beitragen kann. Unser Ziel ist es, das Videoarchiv im Verlauf der nächsten Jahre mit weiteren Videobeträgen aufzuwerten. Die ersten Tipps für passende Gesprächspartner haben wir bereits erhalten. Wir möchten, dass alle Generationen auf dieser Plattform zu Wort kommen.

Danke

Videoschnitt
Videoschnitt der ersten 34 Videos.

So ein Projekt zu stemmen, kann nie in Eigenregie funktionieren. Deshalb möchte ich mich bei einigen Menschen bedanken, die es überhaupt ermöglicht haben: Danke an Bürgermeister Herbert Leeb für den Vertrauensvorschuss, er hat keine Sekunde gezögert, das Projekt zu unterstützen. Danke natürlich an Bernhard Zeller, der die Website konzipiert und gestaltet hat und somit meiner Idee ein Gesicht gegeben hat. Danke an Simon Zauner, der uns beim Filmen und Schneiden der Videos maßgeblich unterstützt hat. Danke an Michael Gutenbrunner, der das Titellied eigens für das Projekt komponiert und eingespielt hat. Danke an die eifrigen Gemeindeangestellten Sylvia Binder und Herta Schuch, die sich um alles Administrative gekümmert haben. Danke an alle Interviewpartner für ihr Interesse und ihre Bereitschaft uns ihre Geschichte zu erzählen: Robert Arbes, Anna Köllner (†), Helene Koy (†) und Karl Rohringer (†). Danke an Anna Kerschl (†) und Theresia Zeller (†), die mich zum Gespräch getroffen haben. Danke an Altbürgermeister Alois Hörker (†), der während der Produktion der Graberner GeschichteN leider überraschend verstorben ist. Er war ein großartiger Tippgeber und Gesprächspartner. Schade, dass wir ihn nicht mehr vor unsere Kamera bitten konnten. Danke an Karin und Maria Böhm, sowie Karl Koy und Gerda Schuster, die mir den Kontakt zu einigen Gesprächspartnern hergestellt haben. Danke auch an Johannes Zeller, der ein Kameraobjektiv für die Dreharbeiten kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Danke an Historiker Dr. Ernst Bezemek für die Recherchetipps. Und danke an meine Eltern für ihre Ratschläge und ihre Unterstützung.

Ihnen und allen Interessierten wünsche ich viel Spaß mit den Graberner GeschichteN,
Manuel Köllner