schmollek

Maulschellen, Pranger und im Eisen

Der Blick in die Pfarrchronik von Mittergrabern ist nicht ohne. Zum Teil geht es auch richtig brutal zu – vor allem in den Protokollen der Gerichtsurteile. Da wird etwa vom Fall des Herrschaftsjägers Andreas Mäsinger aus dem Jahr 1672 berichtet.

Die Herrschaft war zu dieser Zeit die Familie von Sonderndorf. Mäsinger verpasste dem alten Jäger Wolf Kornberger “eine Maulschelle”, dass dieser zu Boden fiel und starb. Mäsinger musste sich vor dem Landgericht in Guntersdorf verantworten. Doch die Richter aus Wullersdorf, Hollabrunn und Sitzendorf befanden, dass die „Maulschelle“ nicht die Todesursache gewesen sei. Mäsinger musste 10 Gulden Strafe bezahlen und durfte wieder als Herrschaftsjäger arbeiten.*

Oder der Fall des Michael Dirr in Obergabern von 1675:

[Dirr hat] des Michael Schusters Weib mit unsittlichen Anträgen verfolgt und eines Tages in der Graskammer niedergeworfen, wurde aber vom versteckten Schuster mit dem Degen verfolgt und in die Stubenkammer eingesperrt, bis er ihm 12 Reichsthaler als Strafe versprach, welche er ihm auch nach und nach bezahlte. Durch andere Händel ist dieses zur Kenntnis der Herrschaft gekommen und nun mussten beide, Dirr und Schuster, je 12 Reichsthaler der Herrschaft bezahlen. Weil Dirr das Weib beschuldigt hatte, dass sie ihm nachgelaufen sei, musste er, weil das Weib unter Jurament [Anm. Eid] ihre Unschuld beteuerte, ihr von 2 Männern Abbitte leisten und 24 Reichsthaler Strafe zahlen.**

Strafen im 17. Jahrhundert

Auch für andere Vergehen gab es zum Teil harte Strafen:

  • Wegen Raufhändel, spielen die ganze Nacht hindurch und am Feiertag deshalb die Heilige Messe versäumt: 6 Tage robotten. [Anm. Strafarbeit]
  • 2 Burschen dringen betrunken in einen Keller ein und trinken etwas Wein, 1 ½ und 2 Tage in Eisen arbeiten.
  • Jeder, der eine ledige Frauensperson schwängerte, musste 5 Gulden Strafe zahlen, ebenso die Frauensperson, ob sie sich heiraten oder nicht.
  • Ein Ehemann, der sich mit einem ledigen Mädchen vergangen hatte, wurde sofort als Rekrut [Anm. zum Militär] weggenommen, das Mädchen zu 5 Gulden verurteilt.
  • Eine verheiratete Frauensperson, der ihr Mann durchgegangen war, hat sich eingestandener Maßen mit mehreren Burschen vergangen und ist schwanger geworden. Zur Strafe musste sie vor dem hiesigen Gotteshause mit der Geige [Anm. Folterinstrument] am Hals, einer Ruthe und einer schwarzen Kerze in der Hand öffentlich stehen.***

Dies nur als kleiner Auszug aus den notierten Fällen.

Quellenschatz aus Mittergrabern

Pfarrer Josef Schmollek
Pfarrer Josef Schmollek – ein fleißiger Chronist Quelle: Scan/Chronikbuch

Die Pfarrchronik bzw. das Gedenkbuch der Pfarre Mittergrabern Band I., wie es offiziell heißt, ist ein Schatz an Originalquellen über die Orte Mittergrabern, Obergrabern und Ober-Steinabrunn. Es wurde handschriftlich in den Jahren 1830 bis 1960 mit Informationen über besondere Ereignisse in der Gemeinde sowie dem wirtschaftlichen Handeln der Pfarre Mittergrabern befüllt. Pfarrer Josef Knell war 1830 der Erste, der mit der Niederschrift begann.

Der Dank für diesen speziellen Rückblick in die Gerichtsfälle des 17. Jahrhunderts gilt Josef Schmollek, der die Pfarre Mittergrabern von 1901 bis zu seinem Tod 1939 leitete. Schmollek tat sich als fleißiger Schreiber hervor und fügte der Pfarrchronik umfangreiche Beiträge hinzu. Im Jahr 1920 folgte ein 70-seitiger geschichtlicher Nachtrag oder wie Schmollek es formuliert: “Was ich im Laufe der vielen Jahre meiner Beschäftigung mit topographischen Arbeiten bezüglich der Pfarrgemeinde Mittergrabern gefunden und gesammelt habe.” Zu danken ist auch Pater Maurus Adolf König, der Schmolleks kurrent geschriebene Aufzeichnungen in Druckschrift transkribiert hat.

Hier zum Download:
Transkript (14 MB)

Diese Transkript wurde dankenswerterweise von Josef Weidner, Diakon in Mittergrabern zur Verfügung gestellt. Leider fehlt die Seite 18 dieses Dokuments. Das originale Chronikbuch wird im Pfarrhaus Schöngrabern verwahrt.

Quellen

* Schmollek, Josef (1920) Handschriftliche Eintragung. In: Gedenkbuch der Pfarre Mittergrabern, Band I. (o.J.), S. 218f
** Schmollek, Josef (1920) Handschriftliche Eintragung. In: Gedenkbuch der Pfarre Mittergrabern, Band I. (o.J.), S. 219
*** Schmollek, Josef (1920) Handschriftliche Eintragung. In: Gedenkbuch der Pfarre Mittergrabern, Band I. (o.J.), S. 220