Antisemitismus in Wien

Erinnerung an das Novemberpogrom 1938

In der Nacht von 9. auf 10. November 1938, also vor genau 80 Jahren, zogen wütende Horden durch die Städte im gesamten Deutschen Reich, zu dem Österreich damals gehörte. Auch in Wien kommt es zu brutalen Übergriffen gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Synagogen und jüdische Geschäfte werden geplündert und in Brand gesetzt.

Antisemitismus in Wien
Schon im März 1938 kam es nach dem Anschluss zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Quelle: DÖW/Wikimedia

Das Nazi-Regime plant die Massenübergriffe und Verhaftungswellen schon seit Jahren. Die Nazis nutzen das Attentat des polnischen Juden Herschel Grynszpan an NSDAP-Mitglied Ernst Eduard vom Rath in Paris als Vorwand für die Pogrome. In dieser Nacht entlädt sich auch in Wien der Hass der Bevölkerung gegenüber den jüdischen Mitbürgern. In den frühen Morgenstunden rücken SS, SA und Hitlerjugend aus und zerstören alle 42 Synagogen und Bethäuser in Wien. Viele werden in Brand gesteckt. Beinahe jedes jüdische Gotteshaus wird in dieser Nacht geplündert und verwüstet, nur der Tempel in der Seitenstettengasse, Wien I. wird verschont – um die anliegenden Gebäude nicht zu gefährden.

In diesen Tagen befanden sich auch zumindest elf ehemalige Graberner in Wien, die wegen ihres jüdischen Glaubens im September 1938 aus dem Weinviertel in die Hauptstadt flüchten mussten.

Die folgenden Graberner wurden während der Shoah ermordet:

  • Katharina Meyer, Obersteinabrunn – am 28. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka
  • Berta Meyer, Schöngrabern – am 18. Mai 1944 im KZ Theresienstadt
  • Elsa Meyer-Stampfer, Schöngrabern – im Februar 1945 im KZ Bergen-Belsen
  • Max Meyer, Obersteinabrunn (später Mailberg), seine Frau Hermine und seine kleinen Töchter Gertrude und Elisabeth – am 17.7.1942 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Wir möchten ihnen und allen anderen Opfern des Nationalsozialismus gedenken.

Die junge Generation hat keine Schuld an den Taten unserer Vorfahren. Wir machen uns nur schuldig, wenn wir verdrängen und vergessen.

Quellen

  • Czech, Danuta (1989): Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945. Rowohlt, Hamburg.
  • Friedländer, Saul (2000): Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933-1939. Bd. 1. dtv, München.
  • Hecht, Dieter J.; Lappin-Eppel, Eleonore; Raggam-Blesch, Michaela (2015): Das Novemberpogrom. Wien, Stadt der Verfolgung. In: Hecht, Dieter J.; Lappin-Eppel, Eleonore; Raggam-Blesch, Michaela (Hrsg.) (2015): Topographie der Shoah. Gedächtnisorte des zerstörten jüdischen Wien. Mandelbaum Verlag, Wien. S. 139-162.
  • Opferdatenbank des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands
  • Datenbank der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem, Deportationslisten KZ Theresienstadt, KZ Treblinka, KZ Auschwitz

Weitere Infos zur jüdischen Gemeinde Grabern